Nord bei Nordwest

Gewalt gegen Frauen: „Ostfriesentotenstille“ – ein Krimi mit wichtigem Thema!

Mit „Ostfriesentotenstille“ zeigt das ZDF heute einen düsteren Krimi, der weit über klassische Ermittlungsarbeit hinausgeht.

Die Verfilmung zweier Romane von Klaus-Peter Wolf hat ein zentrales Thema: häusliche Gewalt und Femizide.

“Ostfriesentotenstille”, eine Adaption der Romane “Totenstille im Watt” und “Totentanz am Strand” von Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf, beginnt ungewohnt brutal: Ein Einbrecher mit Teufelsmaske überfällt den betrunkenen Johann Ricklef (Guido Renner), bedroht ihn mit einem Messer und trennt einen seiner Finger ab.

Dabei zitiert er mahnend Kafka: “‘Die Verwandlung’ ist die Geschichte einer Metamorphose. Johann, du kannst dich ändern! Behandle deine Frau wie eine Königin und sei deinem Kind ein guter Vater!”. Ein belesener Psychopath – Deutschlehrer vielleicht?

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							ZDF/Michael Ihle

Am Tag nach besagtem Überfall werden Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen (Picco von Groote) und ihr Mann und Kollege Frank Weller (Tom Radisch) ins Krankenhaus gerufen.

Ricklef, der sich nachts einweisen ließ, will nun nichts mehr von einem teuflischen Einbrecher wissen – er habe sich den Daumen im Rausch selbst abgeschnitten. Den rechten Daumen? Als Rechtshänder?

Die Begegnung mit Ricklefs eingeschüchtert wirkender Frau Susanne (Daniela Schulz) verstärkt das Gefühl der Ermittler, dass hier etwas nicht stimmt – tatsächlich ist Ricklef wohl schon lange gewalttätig gegenüber Susanne und ihrem Sohn Frithjof. Eine anonyme Meldung von dessen Schule und eine Anzeige einer Ex-Freundin blieben folgenlos.

Der Arzt, dem die Menschen vertrauen – ein Mörder?

Der Film schwenkt kurz ins Seifenopernhafte: Dr. Bernhard Sommerfeldt (Sven Schelker) ist jung, attraktiv und charmant.

Von der Sonne bestens ausgeleuchtet wie in einem Werbefilm, schlendert er mit seiner Freundin Beate (Sinja Dieks) – Frithjofs Lehrerin – durch das malerische Norden.

Frauen und Kinder begegnen ihm mit fast überschwänglicher Freude, als wäre er der Heiland persönlich. Das aus Erfahrung skeptische Krimipublikum ahnt es sofort: Dieser Scheinheilige ist der Masken-Mann! Nur wenig später bestätigt sich dieser Verdacht – ein Wissensvorsprung für die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Denn kurz darauf begeht Sommerfeldt seinen ersten Mord: Er tötet Beates Exfreund Michael Pelz, der junge Frauen mit K.-o.-Tropfen betäubte, nackt filmte und die Videos im Darknet verkaufte.

Anhand der Messerstiche erkennt die Polizei, dass es sich beim Täter um den Mann handeln muss, der zuvor Ricklef überfallen hat.

Es muss sich dringend etwas ändern

Das zentrale Thema von “Ostfriesentotenstille” sind häusliche Gewalt und Femizide. Die Polizei könne Gefährderansprachen halten und Annäherungsverbote ausstellen, doch das reiche nicht, beklagt Ann Kathrin Klaasen: “Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Expartner getötet, gerade weil sie ihn anzeigen oder verlassen will. Das ist doch sch…e.”

Die wohl eindringlichste Szene des Films ist ein Dialog zwischen Kommissar Weller und Susanne Ricklef am Krankenbett ihres künstlich beatmeten Kindes. “Immer das Gerede von den Leuten, warum ich ihn nicht schon früher verlassen habe – weil ich Angst hatte, dass genau das passiert”, erklärt sich die gebrochene Mutter.

“Der wäre uns überall hin gefolgt.” Erst jetzt scheint der sichtlich erschütterte Weller, der Ann zuvor noch vorwarf, den Fall zu nah an sich heranzulassen, das Versagen von Polizei, Justiz und Politik zu begreifen: “Es tut mir sehr leid, dass wir Sie nicht beschützen konnten.” Eine eindringliche Botschaft: Es muss sich dringend etwas ändern!

Zwei neue “Ostfrieslandkrimis” sind bereits abgedreht, die Dreharbeiten zu zwei weiteren begannen Anfang des Jahres unter anderem auf der Insel Langeoog und im Hafen von Bensersiel. Die Ausstrahlungstermine der Filme stehen noch nicht fest.

 

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