Nord bei Nordwest

Ein Fall, der alles verändert: Nina Hagen wird von ihrer Vergangenheit eingeholt

Ein Gefängnisausbruch, alte Schuld und eine Ermittlerin, die selbst Teil des Falls ist. In „Nord bei Nordost: Jagd in die Vergangenheit“ muss sich Nina Hagen heute Abend in der ARD ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

Fans von Hauke Jacobs müssen aktuell wegen der verschobenen neuen Folgen von „Nord bei Nordwest“ noch Geduld haben.

Aber so ganz ohne Krimi müssen sie an diesem Donnerstagabend dennoch nicht auskommen, denn die ARD liefert heute um 20.15 Uhr mit „Nord bei Nordost: Jagd in die Vergangenheit“ starken Ersatz.

Der ARD-Donnerstagskrimi überzeugte bereits bei seiner Erstausstrahlung im vergangenen Jahr und zeigt, warum Nina Hagen längst zu den spannendsten Ermittlerfiguren im deutschen Fernsehen zählt. Unser TV Movie Tagestipp!

Die Polizistin Nina Hagen (Cordelia Wege, li.) übernimmt mit ihren Kollegen Bittner (Franz Dinda, Mitte) und Engelmann (David Bredin, re.) einen sehr persönlichen Fall.Polizistin Nina Hagen (Cordelia Wege) übernimmt mit ihren Kollegen Bittner (Franz Dinda) und Engelmann (David Bredin) einen sehr persönlichen Fall. Foto: ARD Degeto Film/NDR/Frizzi Kurkhaus

Handlung: Ein Fall, der Nina Hagen persönlich trifft

Der Ausbruch des verurteilten Mörders Werner Roth trifft Polizistin Nina Hagen ins Mark. Roth war zu DDR-Zeiten ein enger Vertrauter ihrer inzwischen verstorbenen Eltern und gehörte nahezu zur Familie.

Gemeinsam planten sie einst die Flucht in den Westen. Während Ninas Eltern entkommen konnten, blieb Roth zurück. Jahre später wurde er wegen eines brutalen Überfalls auf einen Geldtransporter verurteilt. Bis heute kann Nina nicht begreifen, wie der Mann aus ihren Kindheitserinnerungen zu dieser Tat fähig gewesen sein soll.

Während die Fahndung nach dem Flüchtigen läuft, beginnt Nina gemeinsam mit ihren Kollegen Bittner und Engelmann, die alten Ermittlungsakten neu zu prüfen. Im Mittelpunkt steht der damalige Millionenraub, mit dem sich ihr Vater als Polizeichef befasste.

Die Beute blieb verschwunden, Roth widerrief später sein Geständnis, seinen mutmaßlichen Komplizen getötet zu haben. Zu viele Fragen sind offen geblieben.

Je tiefer die Ermittlungen führen, desto deutlicher wird, dass Roth nicht allein gehandelt haben kann. Wer war der dritte Mann, den er damals schützte? Und warum schwieg er all die Jahre? Bei der Suche stoßen Nina und ihr Team auf Hinweise, die sie zwingen, sich mit verdrängten Kapiteln ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Als sich der Grund für Roths Schweigen abzeichnet, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um zu verhindern, dass alte Schuld mit neuer Gewalt beglichen wird.

Besetzung: Starkes Trio und ein Gegenspieler mit Tiefe

Die Rolle der Nina Hagen übernimmt erneut Cordelia Wege, die ihrer Figur diesmal deutlich mehr emotionale Tiefe verleiht als noch in der Auftaktfolge „Westend“. Ihre Ermittlerin wirkt verletzlicher, offener und zugleich entschlossener als zuvor. Zu ihrem Team gehören zudem David Bredin als Tim Engelmann und Franz Dinda als Felix Bittner.

Der aus dem Gefängnis entkommene Werner Roth (André M. Hennicke, li.) versteckt sich bei seiner Vertrauten Teresa Lind (Mélanie Fouché, re.).
Der aus dem Gefängnis entkommene Werner Roth (André M. Hennicke, li.) versteckt sich bei seiner Vertrauten Teresa Lind (Mélanie Fouché, re.). Foto: ARD Degeto Film/NDR/Frizzi Kurkhaus

Als Werner Roth überzeugt André M. Hennicke mit einer vielschichtigen Darstellung, die den Zuschauer lange im Unklaren lässt, ob er Täter oder Opfer ist. Mélanie Fouché ergänzt den Cast als Teresa Lind und spielt eine Schlüsselrolle im Verlauf der Geschichte.

Kritik: ARD-Krimi mit emotionalem Kern und starker Atmosphäre

Auch der zweite Film bestätigt, dass „Nord bei Nordost“ kein Ermittlerkrimi von der Stange ist. Der Film setzt nicht auf die gewohnten Muster des Genrefernsehens, sondern erzählt seinen Fall konsequent aus der Perspektive seiner Hauptfigur. Von Beginn an ist spürbar, dass es hier um mehr geht als um die Aufklärung eines Verbrechens.

Der Krimi verzichtet bewusst auf einen klassischen Tatortauftakt mit einer Leiche. Stattdessen steht ein Gefängnisausbruch im Zentrum, der Hauptfigur Nina Hagen unmittelbar selbst betrifft. Diese persönliche Nähe verleiht der Geschichte eine emotionale Dringlichkeit, die den Film über weite Strecken trägt. Die Spannung entsteht weniger aus kriminalistischen Details als aus der Frage, wie viel Wahrheit eine Vergangenheit verträgt, die lange verdrängt wurde.

Autor Holger Karsten Schmidt erzählt klar, konzentriert und ohne Umwege. Die Handlung ist dicht gebaut, lässt aber Raum für Zwischentöne und Zweifel. Der Film erlaubt dem Publikum, einzelne Zusammenhänge früher zu erkennen als die Ermittler selbst, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Gerade dieses kontrollierte Mehrwissen sorgt für einen ruhigen, stetigen Erzählfluss.

Regisseurin Aelrun Goette findet dafür die passende Bildsprache. Die Mecklenburgische Seenplatte wirkt nicht wie eine bloße Kulisse, sondern spiegelt die innere Zerrissenheit der Figuren. Ruhe und Bedrohung liegen hier dicht beieinander, genau wie Nähe und Misstrauen im Zentrum der Geschichte.

Getragen wird der Film vor allem von seiner Besetzung. Cordelia Wege verleiht Nina Hagen eine glaubwürdige Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit. Ihre Figur wirkt nie überhöht, sondern menschlich und angreifbar. André M. Hennicke überzeugt als Werner Roth mit einer Ambivalenz, die den Zuschauer lange im Unklaren lässt. Täter und Opfer sind hier keine festen Kategorien, sondern Teil eines komplexen Geflechts aus Schuld und Loyalität.

„Nord bei Nordost: Jagd in die Vergangenheit“ läuft am Donnerstag, 8. Januar 2026, um 20.15 Uhr in der ARD sowie im Stream in der ARD Mediathek.

 

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