Von „Ich lebe auf euren Nacken“ zum Betrugsvorwurf: Bürgergeld-Empfänger im Visier
Systemfehler, Schulden, Behördenstress: Bürgergeld-Empfänger wie Pascal und Nico stehen vor neuen Regeln und mehr Kontrolle durch das Jobcenter.
Pascal, bekannt aus der RTLZWEI-Doku „Hartz und herzlich“, erlebt zurzeit, wie Behördenpannen das Leben auf den Kopf stellen können. Obwohl er seit Monaten in Privatinsolvenz steckt, fordert die Familienkasse plötzlich 4.425,50 Euro zurück.
Der Grund: Kindergeld, das während eines Jobs weitergezahlt wurde, weil Informationen offenbar nicht zwischen Jobcenter und Familienkasse ausgetauscht wurden.
„Warum ist es denn meine Schuld, wenn ihr mir zu viel Geld überweist?“, fragt Pascal. Mit rund 20.000 Euro Schulden und einer Gehbehinderung kämpft er nicht nur mit Formularen, sondern auch mit Existenzängsten. Fehler im System können für Betroffene fatale Folgen haben und eine Kettenreaktion auslösen.
Ganz anders Nico, 27, ebenfalls aus der RTLZWEI-Doku. Er lebt seit neun Jahren ohne Job und macht daraus kein Geheimnis: „Ich lebe auf euren Nacken“, erklärt er in die Kamera. Für ihn ist klar: „Ich bin nicht das Problem – ihr müsst den Staat kritisieren, nicht uns.“
Energydrinks, Alkohol, keine Lust auf Arbeit – Nico nutzt das System bewusst aus und plant, das laut eigener Aussage bis zur Rente durchzuziehen. Sein Lebensstil polarisiert, wirft aber auch Fragen nach Eigenverantwortung und den Grenzen staatlicher Unterstützung auf. Singles erhalten im Schnitt 1.053 Euro Bürgergeld – weit unter der europäischen Armutsgrenze von 1.381 Euro.
Bürgergeld-Rückforderungen und Betrug: Was passiert, wenn das Amt Fehler findet?
Nicht immer bleibt es bei Systemfehlern oder bewusster Arbeitsverweigerung – manchmal landen Bürgergeld-Empfänger auch vor Gericht. Petra und Pascal, ebenfalls aus „Hartz und herzlich“, wurden in Mannheim wegen Betrugs verwarnt. Sie hatten laut Gericht rund 4.000 Euro für ein barrierefreies Bad beantragt, das Geld jedoch zweckentfremdet. Die Strafe: eine Verwarnung mit Vorbehalt – gezahlt werden muss erst bei einem weiteren Vergehen.
Dieser Fall zeigt, wie schwierig es ist, Betrug nachzuweisen und wie unterschiedlich Gerichte urteilen. Die Produktionsfirma der Doku betont: „Anwaltskosten wurden nicht übernommen.“ Für viele Außenstehende bleibt oft nur Kopfschütteln – und die Frage, wie viele solcher Fälle tatsächlich unentdeckt bleiben.
Bürgergeld: Zwischen Existenzminimum und öffentlicher Empörung – was bleibt am Ende übrig?
Die nackten Bürgergeld-Zahlen entlarven einen Alltag am Limit: Mit weniger als 19 Euro pro Tag müssen Bürgergeld-Empfänger alles außer Miete und Heizung stemmen.
In Hamburg erhalten Singles im Schnitt 1.163 Euro, in Görlitz nur 968 Euro – fast 200 Euro Unterschied je nach Wohnort. Während einige offen mit dem System hadern, erleben andere, wie schnell ein Fehler zur Schuldenfalle werden kann.
Ist „Hartz und herzlich“ echt oder gestellt?
Sind die Protagonisten von „Hartz und herzlich“ wirklich arbeitslos oder handelt es sich um Schauspieler? Tatsächlich zeigt die RTLZWEI-Doku echte Bürgergeld-Empfänger und ihre Lebensrealität.
Die gezeigten Personen sind keine Darsteller, sondern leben tatsächlich in den gezeigten Verhältnissen. Für die Kamera werden zwar manchmal Szenen nachgestellt, aber die Geschichten und Probleme sind real.
Es gibt eine finanzielle Aufwandsentschädigung für die Teilnahme von einigen hundert Euro pro Drehtag oder pro Folge – genaue Summen werden nicht offiziell veröffentlicht. Diese Zahlungen gelten rechtlich als Einkommen und müssen dem Jobcenter gemeldet werden.
Die Union diskutiert sogar über weitere Kürzungen. Während Nico seinen Alltag als „Hart-IV-Rapper“ meint, er bräuchte keinen 0815-Job, kämpfen Pascal und andere mit Behördenbriefen und Pfändungsandrohungen. Das System ist voller Widersprüche – und jeder Einzelfall erzählt eine eigene Geschichte.